
In dem Beitrag “Islamfeindlichkeit kommt nicht vom Rand” interviewt Birgit v. Criegern die sicher nicht als subjektiv zu brandmarkende Wissenschaftlerin Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung, Erlangen. Hier einige Auszüge:
Muslime unterdrücken Frauen, das ist die ewige und einzige Wahrheit
Bei der PR-Kampagne der SVP ging es ja gezielt um eine Vermischung der Themen Religionsausübung, also Moschee und Minarett, mit Fragen einer angeblichen Schariaeinführung und ganz wichtig “Frauenunterdrückung”. Darum schmückte ja auch eine vollverschleierte dunkle Gestalt das bekannteste Anti-Minarett-Plakat, die zudem noch mit Themen wie z.B. die Genitalverstümmelung assoziiert wurde. Das hat sich in den letzten Jahren als sehr effektives Mittel einer vermeintlich aufgeklärten Propaganda erwiesen.
Devote Putzfrauen sind ok, Stolze Akademikerinnen tabu
Es sind ja nicht die kopftuchtragenden Putzfrauen, die stören, sondern die kopftuchtragenden Akademikerinnen – und da geht es um Privilegienschutz und um sonst nichts. Die Widersprüchlichkeit der Argumentationen wird kaum bemerkt, so emotional wird die Debatte – gerade um die Frauen – geführt.
Kaufe nicht bei Muslimen
Wenn wir uns die subtileren Formen des Antisemitismus ansehen, so wie wir es in unserem Buch in Bezug auf das 19. Jahrhundert tun, dann wird überdeutlich, was sich hier für fatale Parallelen entwickeln: Damals wurde diskutiert, ob jüdische Lehrer gute Lehrer sein können, dass man die jüdischen Schriften und Predigten ins Deutsche übersetzen müsse, ob Juden überhaupt loyale Staatsbürger sein können etc. Und natürlich waren Eigenheiten wie etwa das Schächten oder Speisevorschriften gerne ein Thema der Abgrenzung und auch Diffamierung. Auch ein Vergleich mit Karikaturen aus dieser Zeit würde verdeutlichen, dass wir nicht antiislamische Karikaturen unter Meinungsfreiheit abbuchen können.
Das antiislamische Feindbild: Mehrheitlich konsensfähig
… die Bürgermeinung von “der Islamisierung” unserer Gesellschaft, wie sie Wolfgang Bosbach von der CDU eben wieder als einen Fakt hingestellt hat. Politiker und Medien kultivieren das antiislamische Feindbild und gehören damit letztlich auch in den Pakt der Rassisten.
Wir arbeiten fleissig an einer neuen Weltverschwörungstheorie
Kaum jemand merkt, dass die These von “der Islamisierung” eine Weltverschwörungstheorie vergleichbar der von einem “verschworenen Weltjudentum” ist. Das ist erschreckend – als hätten wir unsere historischen Lektionen auswendig gelernt, aber nicht verstanden.
Es ist seit Jahr und Tag gängige Praxis der sog. Eliten, dass allgemein relevante Themen auf markierte Gruppen projiziert werden. Dann kann man etwa unser Schulsystem so lassen wie es ist und muss nicht z. B. teuer die Schulklassen halbieren, sondern kann die daraus resultierenden Probleme den angeblich “Integrationsunwilligen” in die Schuhe schieben. Das widerspricht soziologischem, psychologischem und rassismuskritischem Wissen… Für den Schaden, den man selber durch falsche Maßnahmen anrichtet, kann man die Schwachen leicht verantwortlich machen. Und das wird in der Krise bald noch mehr Verlierer treffen.
Es geht gar nicht um Religion
Geht es also eher um gesellschaftliche Probleme, die mit Islam- oder Religionskritik diszipliniert werden sollen?
Ja, diese Debatten sind eigentlich anderer als religiöser Natur. Auch eine vergleichbar fundamentalistische Bibelkritik würde uns alt aussehen lassen, wenn wir das wortwörtlich nähmen. Und Antisemitismus konnte auch nicht mit Erklärungen übers Judentum behoben werden. In die Falle von damals drohen wir jedoch heute wieder zu tappen, weil wir glauben, dass es bei dem ganzen Streit um Religion geht.
PR-Arbeit für mehr Islamhass und Rassismus
Rassismus dekonstruiert man aber nicht über Erklärungen über die Betroffenen, egal ob Juden, Muslime, Schwarze, Behinderte, Frauen, Ossis. Es geht um Gruppenwahrnehmung, Gruppenbildung und Gruppeninklusion oder –exklusion und vielleicht noch folgende Identifikationsprozesse. Und das trifft gerade nur zufällig die Muslime, weil sie auf unserem Öl wohnen – um es mal etwas provokant zu sagen. Ich stütze hiermit die These von [extern] Daniele Ganser, der als Historiker und Vorsitzender der Organisation “Peak-Oil” darauf verweist, dass es nicht ganz zufällig ist, dass der Westen gerade dort Kriege führt, wo es um “Ressourcensicherung” geht. Unsere Medien und Meinungsführer sind also bestimmten Think-Tanks aufgesessen, die mit teurer PR – finanziert aus Petro-Dollars – uns den Kulturkampf als neues Opium des Volkes eingeimpft haben.