Klaus Pawelzik in Technology Review über Hirnforschung und die verschiedenen Erklärungshypothesen der kortikalen Kolumne: Henry Markram’s Liquid State Maschine (Blue Brain Project), Wolf Singer’s Synchronisationshypothese und Jeff Hawkins’ Bayes’sches Netz. Interessant sind sein erkenntnistheoretischen Anklänge an zwei bekannte Sufigeschichten (Rumi et al):
Das heißt, Sie haben einen ganz starken systematischen Fehler. Das ist wie in dem alten Witz: Sie haben den Schlüssel verloren und suchen ihn natürlich unter der Lampe. Da wo Licht scheint - wo anders können Sie ja auch nichts sehen. So funktioniert in weiten Teilen Hirnforschung.
Nur, das erklärungsbedürftige Phänomen bei vielen biologischen Systemen, wie auch beim Gehirn, ist ihre Adaptivität und Robustheit. Dass heißt, das erklärungsbedürftige an diesem System ist genau das Gegenteil. Wir haben hier ein komplexes, nichtlineares System, dass eigentlich bei der kleinsten Störung koppheister gehen müsste. Tatsächlich ist es aber so, dass es per evolutionärem Design spezifische Mechanismen gibt, damit die Kiste stabil bleibt. Denken Sie allein daran, dass die Retina sieben oder acht Größenordnungen an Lichtstärke verarbeiten kann. Wenn die Sonne hier jetzt weg geht, geht die Lichtstärke um den Faktor hundert oder tausend runter, und wir merken das kaum. Das ist das erklärungsbedürftige Phänomen.
Vom Prinzip kommen Sie immer zur Simulation, aber nicht von der Simulation zum Prinzip. [...] haben Sie schon mal eine Simulation mit mehr als fünf Parametern durchgeführt? Diese fünf Parameter halbwegs abzutasten, dass dauert Monate auf dem Rechner. Durch viele Parameter kriegen Sie unheimlich viel Freiheit. Damit können Sie im Prinzip alles reproduzieren. Früher hat man mal gesagt, mit fünf Parametern reproduziere ich einen Elefanten.