Archive for the ‘Biographie’ Category

Deutsche Schule

Sunday, April 29th, 2007

dsc_0577a.JPG

Von kaum jemand beachtet hat sich seit einem 3/4 Jahr eine kleine deutschsprachige Schule in Lefke etabliert. Unter der vorbildlichen und ehrenamtlichen Anleitung von Schwester Hamida lernen hier fuenf Kinder Deutsch, Mathematik, Englisch, Sachkunde und Religion. Sport wird von Habiba unterrichtet, Sticken von Hajji Rukiya, der Tochter von Sheikh Effendi, und schliesslich Zeichnen bei Elef, der Tochter von Selma aus Berlin.

5. Tag

Saturday, April 28th, 2007

Zwischen Asr- und Isha-Gebet (beide von Sheikh Effendi geleitet) hatte ich etwas Zeit und beschloss mir mal zur Abwechslung einen Döner im Dorf zu holen. Ich kann nur jedem davon abraten! Nicht nur, dass mir beim Warten eine türkisches-Fernsehen-Gehirnwaesche verpasst und ein total überteuerter Preis berechnet wurde, beim anschliessenden Verspeisen kam absoluter Trübsinn auf: Ich vermisste die Brüder! Deren traute Anwesenheit war mir (wie das gemeinsame Gebet) in den wenigen Tagen schon dermassen in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir kaum vorstellen kann, in Deutschland wieder alles alleine machen zu müssen…

4. Tag

Friday, April 27th, 2007

ssc_0091.JPG

Gestern Abend durften wir an einem leisen und innigen Dhikr teilnehmen, danach brachte eine Hadra alle ins Schwitzen. Ziemlich aufgedreht fuhren wir nach Hause und konnten erst nach einiger Zeit schlafen gehen.

Heute war ein ruhiger Tag, alles bereitete sich auf das Juma vor. Die letzten Telefonbuchdosen wurden in die Wand geschraubt, die letzten Baeume umgepflanzt, dann ging es um ein Uhr los. Es war ein schoenes Erlebnis die Brueder alle in ihren Sonntagskleidern und -Turbanen zu sehen, manche kommen ja die ganze Woche nicht aus ihren Arbeitsklamotten raus. Sheikh Effendi bestieg die neue, 4m hohe Minbar in seiner Moschee, und hielt den ersten Teil der Hudba auf Tuerkisch. Auf Englisch erinnerte er uns an die vielen, vielen Menschen, die nur im Feuer leben, da sie ihren Egos folgen und trotzdem nie das bekommen, was sie haben wollen. Lediglich die kleine Gruppe der Gottesfuerchtigen, die staendig im Gedenken an ihren Herrn leben, ist geschuetzt. Fragt euren Herrn danach, was Ihr tun müsst, damit Er mit euch glücklich ist.

Im Anschluss setzte sich Sheikh Effendi in seinen Sessel und wir durften ihm Respekt erweisen. Als alle schon dachten, dass es das nun gewesen waere, forderte er uns zu einer weiteren Hadra auf. In Nullkommanix waren die Trommeln gestimmt, die Somalis huben an zu singen, ein Kreis wurde gebildet und los ging es! Diesmal durfte uns Sheikh Hassan anfeuern und die Stimmung kochte: Es machte mal wieder super viel Spass…

3. Tag

Thursday, April 26th, 2007

ssc_0092.JPG

Gestern war endlich Hadra, nach dem Nachgebet sprang Memmo, der Enkel von Sheikh Effendi in die Mitte und skandierte: Aufstehen, Aufstehen! Es bildete sich ein grosser Kreis aus 40 oder 50 Brüdern, sie hakten sich an den Haenden unter und wippten vor und zurück zu den Gesaengen unseres zentralasiatischen Hodschas Abdur Rahman. Nachzügler bildeten einen zweiten und dritten Kreis. Einzelne Brüder wurden von Sheikh Effendi ermuntert, als Anfeuerer in den innersten Kreis zu gehen und machten ihre Sache hervorragend. In kurzer Zeit wurden unsere steifen Knochen durchwaermt und angeheizt und die Stimmung stieg. Nach einiger Zeit schritt der Sheikh selber, gehalten von zwei Brüdern in die Mitte und dirigierte die Truppe. Er strahlte vor Vergnügen und die Begeisterung kannte kein Ende. Als er nach einigen Minuten wieder in die Mitte kommt, bildet sich schnell ein enger, verrückt-drehender Menschenkreisel um ihn, mir wird Angst und Bange.

Nach dem heutigen Mittagsgebet wiederholen die Somalies (hier tut sich besonders ein aelterer Blinder hervor) ihre Gesaenge von gestern und Sheikh Effendi antwortet mit einem lieblichen Gesang “für Türken, Araber und Perser”. Wir alle sind ganz erstarrt und gebannt von der zerbrechlichen Schönheit seiner Stimme.

Sheikh Hassan aus Deutschland ist gerade eingetroffen und ich bin für einen Moment ratlos, welcher der beiden Sonnen ich mich denn nun zuwenden soll.

2. Tag

Wednesday, April 25th, 2007

ssc_0090.JPG

Es ist gar nicht so einfach, hier im türkischen Teil ein Internetcafe zu finden, das sowohl freie Plaetze hat als auch eıine halbwegs vernünftige Internetverbindung aufweist. Die Plaetze sind entweder von jungen Maennern belegt, die mit Headphone und Webcam herumchatten oder von Halbwüchsigen, die Autorennen oder Egoshooter spielen. Wenn man dann einen Platz bekommt, stürzt die Verbindung nach spaetestens 5 Minuten ab. Heute habe ich also Glück!

Montag war keine Hadra und auch gestern nicht. Sheikh Effendi war auch gar nicht beim Nachtgebet anwesend. Unsere Hoffnungen ruhen also auf dem morgigen Donnerstag – Dikhr und Hadra. Dafür haben wir Hajji Annes Grab besucht, ein englischer Bruder (siehe Bild) haelt dort zur Zeit Tag und Nacht Wache und pflegt die Anlage, giesst die Blumen, etc. Allah möge ihn dafür belohnen. Es ist ein sehr segensreicher und friedlicher Platz, der alte Friedhof liegt direkt am Ortseingang von Lefke.

Apropos “Moon”: Beim Frühstück gab es eine dementsprechende Unterweisung einer befreundeten Schwester aus Lefke, die die Dinge wieder aufs Wunderbarste zurechtrückte…

1. Tag

Tuesday, April 24th, 2007

dsc_0675a.JPG

Gestern gab es leider keine Hadra, dıe Brüder hatten ganz begeistert davon erzaehlt. Stattdessen galt es, eine Waschmaschine zu reparieren und den Moscheeneubau zu bewundern: Dıe alte Moschee links neben Sheikh Effendis Haus, dıe bestimmt schon 10-15 Jahre alt ist, hat ein zweites Stockwerk bekommen und eine schöne Holzvertaefelung im Innenraum. Die Maenner können nun unten und oben (wo die Frauen normalerweıse beten und die Maenner unter ihnen beobachten) schlafen. Trotzdem war es Ostern wohl so voll, dass welche draussen auf der Strasse geschlafen haben – wie mir glaubhaft versichert wurde.

Auf einem Spaziergang durchs Dorf konnten wir Restaurierungsarbeiten an der alten Dorfmauer beobachten und die Landschaft geniessen – überall schwebte ein Hauch von Orangenduft durch die Luft und wenn man Glück hatte auch Jasmin.

Heute stellte ich mich nach dem Mittagsgebet vor Sheikh Effendi, begrüsste ihn und überbrachte ihm die Grüsse der deutschen Brüder. Er freute sich und fragte mich, wo ich denn wohl herkommen würde: “Coming from moon?” Oops, jetzt habe ich was zu knacken für die restliche Woche…

Ankunft

Monday, April 23rd, 2007

dsc_0681a.JPG

Die Ankunft auf Zypern ist ımmer eın bisschen wie nach Hause zu kommen. Alleine schon die Orte, durch die man kommt: Zümrütkoy, Aydinkoy, … Dann biegt man auf das Meer zu, strahlend blau liegt es vor einem. Die alten Stahlrohrgerüste stehen noch. In Gemikonagi geht es links hoch nach Lefke. Immer scheint noch eine Kurve dazuzukommen, bis man nach Lefke reinfaehrt. Meine Ungeduld waechst. Jetzt zieht es einen zum Haus von Sheikh Effendi, zur Moschee. Und tatsaechlich: Ich komme gerade pünktlich zum Mittagsgebet – al-hamdulillah.

Sheikh Effendi ıst nicht zu sehen. Ist er überhaupt da? Die angespannte, seelenvolle Stille scheint darauf hinzudeuten. Und da sitzt er in seinem Stuhl, direkt vor dem Fenster. Ich schaffe es noch ihm beim Hinausgehen dıe Hand zu küssen, aber er scheint mich nicht zu erkennen – das kommt spaeter, wıe ich mittlerweile weiss.

Es herscht eıne ganz wunderbare Stimmung, ich begrüsse die mir bekannten Gesichter rechts und links – alle sind so relaxt und gelöst und strahlen um die Wette. Oder bin ich das?

Beerdigung

Monday, October 23rd, 2006

Unser lieber, weicher, freundlicher, kranker, weiser Bruder Farid Gisch ist heute beerdigt worden. Ich hatte die Ehre, seinen Sarg zum Grab tragen zu dürfen. Sheikh Hassan zitierte ein Gedicht seines Lieblingsdichters Rumi. Auch, wenn wir alle irgendwie traurig waren: Es war ein wunderbarer Tag – einer der letzten schönen Oktobertage, die Sonne schien, der Friedhof war erfüllt von engelsgleichen Dhikr-Gesängen, und alles war Segen.

Wenn Sie am Tag des Todes
tief in die Erde mich senken,
Daß mein Herz dann noch auf Erden
weile, darfst du nicht denken! …
Siehst meine Bahre du ziehen,
laß das Wort >Trennung< nicht hören,
Weil mir dann ewig ersehntes
Treffen und Finden gehören!
Klage nicht >Abschied, ach Abschied!< ,
wenn man ins Grab mich geleitet:
Ist mir doch selige Ankunft
hinter dem Vorhang bereitet! ... (Diwan-i Kabir 911)

Rückzug in Medina

Friday, May 5th, 2006

Großsheikh und Sheikh Nazim Effendi

Sultan ul-Awliya Blog bringt uns heute eine sehr schöne Geschichte, wie Sheikh Effendi mit Großsheikh Khulwat macht. Auszug:

Then I saw a vision that Satan and his soldiers were encircled with a heavenly chain that prevented them from reaching my Shaykh and me. That vision ended. Then Grandshaykh said, ‘Alhamdulillah, the Prophet is happy with you and I am happy with you.’ Then he put his hand on my heart and I immediately saw the Prophet and 124,000 prophets, 124,000 Companions, 7007 Naqshbandi Saints, 313 Exalted saints, the five Qutbs and the Ghawth. All of them were congratulating me and they each poured into my heart their divine knowledge. I inherited from them the secrets of the Naqshbandi Order and the secrets of the 40 other Orders.

Antwort auf einen Nachruf für Prof. Annemarie Schimmel

Thursday, January 30th, 2003

An die Westfälischen Nachrichten

LESERBRIEF ZU IHREM ARTIKEL am 29.1.: Nachruf Prof. Annemarie Schimmel

Sehr geehrte Damen und Herren von den Westfälischen Nachrichten!

Noch mehr als die Nachricht vom Tod von Annemarie Schimmel hat mich der unselige Nachruf in Ihrer Zeitschrift getroffen.

Ich weiss nicht, ob dieser inhaltlich sinnlose Titel “Zwischen Toleranz und Verklärung” von Ihnen oder der dpa stammt. Durch den Text zieht sich jedenfalls wie ein roter Faden eine unsachliche und überzogene Kritik an Frau Schimmel. Es fängt schon im ersten Satz an, wo ein ‘aber’ ihre Verdienste einschränken soll. Und die Nachrufschreiberin Frau Utermann kann es nicht lassen: In jedem Absatz wiederholt sich diese Art, die Verstorbene zu kritisieren, so dass man sich fragt, wozu dieser Nachruf eigentlich dienen soll, wenn nicht dazu, das Andenken und das Bild von Frau Schimmel mit dunklen Flecken zu versehen. Das hat sie nicht verdient und darüber ist sie wahrlich erhaben.

Diese – man kann schon sagen – “Strategie” der Verdunkelung des Bildes von Frau Schimmel zeichnet sich darüber hinaus durch keinerlei wirkliche Sachkenntnis aus. Es ist beschämend zu lesen, wie falsch und unsachlich und unkorrekt in einer deutschen Zeitung über den Islam oder seine “Denker” geschrieben wird.

Wenn Sie einen Nachruf von der dpa einkaufen, dann möchte ich Ihnen wünschen, dass Sie in Zukunft eine bessere Auswahl treffen und jemanden nehmen, der sich mit der Materie auch wirklich auskennt und es sich nicht nur zwischen Tuer und Angel angelesen hat oder sich – von irgendwelchen pseudowissenschaftlichen türkischen Intellektuellen und angeblichen Fach-Kollegen, die keine Ahnung vom Ursprung und Wesen des Islam haben, weil sie ihn nur aus ihrer Elfenbeinturmperspektive betrachten wollen – falsch beraten laesst, wie es im vorliegenden Fall offensichtlich passiert ist.

Frau Prof. Annemarie Schimmel hat – im Gegensatz zu diesen Schreibtischhengsten – sich ganz in diese Religion vertieft und sie von innen heraus kennengelernt. Ihr Fehler war, dass sie den Islam dabei auch schätzen gelernt hat – ein offensichtliches Sakrileg in unserer ja so aufgeklärten Zeit.

Wir brauchen keine staubtrockene intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Islam, sondern das lebendige, interessierte und freudige Lernen voneinander. Hier war sie ‘Expertin’, das hat sie uns hinterlassen. Wie sagte schon Roman Herzog, den sie einst auf einer Staatsreise in Pakistan begleitet hatte: “Sie hat mir die Herzen der Menschen geöffnet.”

Diese Fähigkeit, wissenschaftliche Akribie mit tiefer Anteilnahme verbinden zu könenn, brauchen wir heute mehr als alles andere – Frau Schimmel war und wird mir darin immer ein wunderbares Vorbild sein.