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Drei Totschläger: Das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten einer Gesellschaft, die es offensichtlich verlernt hat, sich zu schützen, wie es Susanne Leinemann in dem erschüternden Bericht “Der Überfall” zu berichten weiß.
Sie wird überfallen, von hinten nieder- und fast totgeschlagen, und das alles für eine Handtasche mit 35 Euro.
Dabei sind die drei das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten – einer weitverzweigten Sozial- und Therapieindustrie, von Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Erziehern, Angestellten der Jugendämter. Viele, die in diesen Berufen arbeiten, sind Frauen. Fast alle Opfer der Serie sind Frauen. Eine der zuständigen Jugendamtsmitarbeiterinnen weint, als sie darüber erzählt. Empathie ist der Kraftstoff der pädagogischen Berufswelt. Der Totschläger und der Faustschläger dagegen, nur wenige Meter entfernt, sind bar jeder Empathie.
Und ganz folgerichtig stellt Jan Fleischhauer die Kardinalfrage, ob wir unser Verständnis für die Täter nicht zu weit getrieben haben. Die Scharia bestraft Diebstahl mit dem Abhacken einer Hand – ist dies nicht auch ein Beispiel für die nach 1968 verfemte Gerechtigkeitstheorie, die dem Täter eine Wunde zufügen will? Vergeltungsjustiz oder Schutzjustiz? Verstehen ist die eine Sache: hier schlug das Pendel wohl in den letzten 40 Jahren zu weit aus. Schutz für die Opfer ist die andere Sache, die dabei wohl zu kurz gekommen ist. Und ich glaube fest daran, dass Strafen drakonisch sein können (sein sollen) ohne ungerecht zu sein. Nur so sind die empathielosen Straftäter noch zu erreichen, nur diese Strafen (auf dem Fuß!) zeigen ihnen, dass es die Gesellschaft ernst meint und erreicht sie. Erreicht sie dort, wo es weh tut, wo sie es verstehen: In der Gewalt, die sie antun und die nun ihnen angetan wird. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Stockschläge um Stockschläge. Und in der Tat eine verlockende Vorstellung, dass jeder Gewalttäter und Schläger diese Konsequenz zu fürchten und am eigene Leibe zu erleben hätte. In dubio pro victimo…
Die meisten Überfälle geschahen im Wedding, da ist dieses Täterprofil rar. Türken und Araber sind dort der Standard.
Auch das noch! Muslime?! Was für eine Schande! Auch hier offensichtlich keine Angst vor der – zu milden? – Strafe. Hier gibt es keine Ausrede, diese Leute müssen aufgrund ihrer Herkunft wissen, was sie erwartet!!
Die Gesellschaft hat es verlernt sich zu schützen. Ist aus dem Schutz ausgebrochen, hat sich dem Schutz entzogen. Frauen, die als Freiwild betrachtet werden, nackt für Hamsterfutterwerbung mißbraucht werden, die in sozialen Einrichtungen bis zum burn-out verheizt werden, die jeden Tag (sprachliche) Gewalt erleben, von ihren Männern nicht geschützt werden und kein schützendes Zuhause aufbauen können. Kinder, die splitterfasernackt im Gartenteich baden oder auf der Straße tollen, schutzlos allein gelassen von ihren Eltern. Eltern, die Scham als prüde diffamieren und die Freiheit des Egos auf ihre Fahnen geschrieben haben und an den bedingungslosen Werteverzicht glauben.