Archive for the ‘Rassismus’ Category

Terror: Das sind immer die Anderen

Wednesday, January 5th, 2011

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Foto: Photocase

Georg Meggle in Telepolis meint, wir sollten erst mal definieren, was Terrorismus ist, bevor wir darüber sprechen.

Wofür steht Ω? Nun: Ω, das ist der absolute Ausnahmefall, die ultimative Katastrophe, die für uns so unvorstellbar schlimm ist, dass wir zu ihrer Verhinderung wirklich alles zu tun bereit wären, selbst dazu, alle – ja, wirklich alle – moralischen Restriktionen über Bord zu werfen.

Die drohende Weltherrschaft der Nazis war für Churchill ein solcher Ω-Fall. Ebenso soll nach (A.4.1) – zumindest FÜR UNS – auch der Terrorismus ein Ω sein. Dass er das ist, dies folgt ja schon aus (A.3).Wäre er keiner, so wäre seine Verwerflichkeit keine maximale.

2.8.2 Um nur ganz kurz klarzumachen, was das heißt: Ω-Fälle konfrontieren uns mit der härtesten aller denkbaren moralischen Fragen. Mit Blick auf den Krieg lautet diese: Kann es Situationen geben, in denen sogar das Begehen von Kriegsverbrechen bzw. sogar das Begehen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit moralisch gerechtfertigt, ja sogar zur moralischen Pflicht werden kann? Churchills JA auf diese Frage kennen wir: Das von den Briten selber so genannte Terror-Bombing deutscher Städte.

Da “UNSERE Terrorismus-Software nur um den Preis einer abgrundtiefen Diskriminierung DER ANDEREN” funktioniert, haben wir es hier wieder mit Rassismus zu tun…

Ohne diese Differenz müssten und würden WIR UNS selbst (und folglich auch DIE ANDEREN) wohl etwas anders sehen. Wir müssten z.B. sehen – und so vielleicht auch einsehen:
* Dass der größte T-Akt der Geschichte keineswegs der des 11. September 2001 war, sondern wohl eher die beiden Bomben vom 6. und 9. August ’45 (weitere T-Akte);
* Dass die größte Ausbildungsstätte für T-Akteure keineswegs im Grenzgebiet zwischen Afghanistan/Pakistan lag und liegt, sondern in North Carolina; Dass die Anderen keineswegs ganz anders ticken, vielmehr eher so wie wir – und umgekehrt;
* Dass WIR nicht per se die moralisch Guten sind;
* Dass vielmehr alles in allem die größeren T-Akteure wohl WIR selber sind.

Where are the headquarters of shaitan? Here! In our chest!!

Populistische Islamkritik – Lehren aus der Judenverfolgung

Sunday, November 21st, 2010

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ZEIT-Interview mit Historiker Dr. Benz

Benz: Im 19. Jahrhundert hat sich das Instrumentarium des modernen Antisemitismus ausgebildet. Um zu legitimieren, dass Juden ausgeschlossen, verjagt, womöglich umgebracht werden sollen, musste man beweisen, dass diese Minderheit schädlich, gefährlich und böse ist. Man fand den Beweis dafür zunächst in der Religion und dann – das war damals neu – im Charakter der Gläubigen. Die Charaktereigenschaften leitete man aus der Religion ab. Den Talmud als böses Buch zu diffamieren war ein verbreitetes Mittel der antisemitischen Propaganda. In einem nächsten Schritt wurde der »jüdische Charakter« zum »Rassemerkmal« umgedeutet. Seit ein paar Jahren laufen ähnliche Prozesse im öffentlichen Sprechen über Muslime ab. Abermals wird eine religiöse Gruppe mit bestimmten Eigenschaften belegt, die aus Glaube und »Kultur« abgeleitet werden.

ZEIT: Statt Talmudhetze nun Koranhetze?

Benz: Überspitzt gesagt, ja. Jedenfalls werden gläubige Muslime dadurch zu einer potenziell »bösen Gruppe« erklärt. Sogar der Schritt, so etwas wie einen »muslimischen Charakter« biologisch festzuschreiben, ist vollzogen worden von Thilo Sarrazin. Wobei ich eines klarstellen möchte, weil es immer wieder missverstanden wird: Ich setze nicht Muslime mit Juden gleich. Selbstverständlich gibt es islamistischen Terror und Fundamentalismus, das leugnet doch niemand, der noch seine fünf Sinne beisammen hat. Mir geht es darum, wie sich die Mehrheit der Bevölkerung gegenüber einer Minderheit verhält.

Islamfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu

Monday, November 8th, 2010

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Alarmierender Telepolis-Artikel zur Islamfeindlichkeit:

… stärker zum Antiislamismus neig[en] … die Nicht-Berufstätigen, also vermutlich die Rentner und Arbeitslosen, die Geringverdiener mit einem monatlichen Einkommen unter 1500 Euro, die Wähler der Union, die Nichtwähler oder die “Sonstigen”. Die Ostdeutschen stimmen eher der Aussage zu, dass ein Deutschland ohne Islam besser wäre, obgleich die Westdeutschen deutlich länger Erfahrung mit muslimischen Einwanderern haben. Das weist auf die bekannte Tatsache hin, dass oft die Ängste dort am größten sind, wo man am wenigsten Kontakt mit bestimmten Phänomenen hat.

Rassismus, Infantilismus und Medialismus: Eine explosive Mischung

Thursday, October 7th, 2010

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Mir wird Angst und Bange, wenn ich an die Auswirkungen der medialistischen Darstellung des Islam denke, die immer schlimmer wird. Jede Kopftuchträgerin hat mein uneingeschränkte Hochachtung in diesem von der Blödzeitung gezielt (Sarrazin) geschürtem MeinungsHassklima. Wo bleiben die Männer, die sich – vielleicht mit Turban und Jubba – als Muslime outen? Shame on me.

Gar nicht froh sein kann man über die Rolle der Presse, die, von Ausnahmen abgesehen, den Infantilismus ihres Publikums nach Kräften bedient, und ohne Ende in der heavy rotation hält, was der verschwitzte, mit empörungsrotem Kopf vor der Glotze sitzende Spießbürger ohnehin immer schon “weiß”. Aufklärung, das ist gewiss, geht anders. Marcus Hammerschmidt

Islamophobie ist simple Fremdenfurcht

Thursday, February 4th, 2010

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Weitere Argumente:

In Norddeutschland im 19. Jahrhundert (wurden) katholische Kirchen für zugewanderte Arbeiter fast ebenso bekämpft … wie heute Moscheen.

Kristen Benning, Die Welt, 04.02.2010

In einem Kommentar wäre Balmer fast geneigt, das Verbot gutzuheißen, stellt dann aber fest, dass das “Pseudofeminismus” wäre:

Keine Frage, die afghanische Burka ist ein Symbol der Frauenverachtung. Fast wäre man geneigt, einem Verbot zuzustimmen, wenn es dem Kampf gegen Unterwerfung und Gewalt in der Familie dienen würde. Doch hinter der fortschrittlichen Rhetorik gegen Burka und Nikab wird eine zusehends unverschleiert daherkommende Islamfeindlichkeit sichtbar.

Der der Islamfreundlichkeit gänzlich unverdächtige Rudolf Balmer im Auslandsteil der der Islamfreundlichkeit gänzlich unverdächtigen Die Tageszeitung, 04.02.2010.

Nachtrag: US-Menschenrechtsbericht kritisiert Kopftuchverbot in Deutschland und Minarettverbot in der Schweiz

Rassismus II: Schönheitsoperationen statt Schleier

Monday, January 4th, 2010

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Auch dieser Artikel wird in dem gewaltigen Gesellschaftsspiel “Islam Bashing” untergehen, das wir zur Zeit erleben. Keine Zeitung, keine Fernsehsendung, kein Moderator ist sich zur Zeit zu blöd, um in die Kerbe des frauenfeindlichen Islams zu schlagen. Dummheit ist es ja auch nicht, denn es bringt ja Quote. Nun ist mit Petra Wild ein Stück Wahrheit in konzentrierter Form zu finden – für denjenigen, der es hören mag.

Petra Wild, 29.12.2009 in Telepolis: Schönheitsoperationen statt Schleier

Der Kampf der “Islamkritiker”, wie sie sich selbst gerne nennen, gilt einem Islam, den sie selbst erfunden haben oder anders: Sie haben sich den Islam so hergerichtet, wie sie ihn brauchen, um auf ihn einschlagen zu können.

Und überaus interessant die geschichtlichen Vergleiche, die sie zieht, und die Zahlen, die sie vorlegt:

Der Themenkomplex Frauen und Sexualität ist neben dem der Gewalt bereits seit den Kreuzzügen das zentrale Thema antimuslimischer Propaganda. Damals wurde den Muslimen allerdings eine allzu große Sinnlichkeit und Libertinage vorgeworfen.[2] Dass den Muslimen heute das genaue Gegenteil vorgeworfen wird , gründet weniger im Verhalten der Muslime selbst als in der Veränderung des Selbstbildes westlicher Gesellschaften, die sich gerne als “aufgeklärt”, “zivilisiert” und “emanzipiert” sehen.

Wie wenig auch das mit der Realität zu tun hat, wie wenig patriarchale Machtverhältnisse auch in Europa und den USA überwunden sind, zeigen die fortgesetzte Diskriminierung am Arbeitsplatz und das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. 40% aller Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.[3] UNIFEM zufolge erleben [extern] 40-50% aller Frauen in den EU-Staaten sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz. In den USA werden 83% aller Schülerinnen zwischen 12 und 16 Jahren an öffentlichen Schulen Opfer von sexuellen Übergriffen. In den USA werden jede Woche 25 Frauen von ihren (ehemaligen) Partnern ermordet, das sind mehr Frauen als zum Beispiel innerhalb eines Jahres in Jordanien wegen der “Ehre” ermordet werden.[4]

Der europäische Kolonialismus ersetzt das einheimische Patriarchats durch ein an westlichen Strukturen orientiertes

Die Unterdrückung von Frauen in muslimischen Gesellschaften auf den Islam zurückzuführen, ist eine Erfindung des europäischen Kolonialismus des 19.Jahrhunderts, der ideologisch als “mission civilisatrice” oder “the white man’s burden” verbrämt wurde. Als Beleg für die “Minderwertigkeit” und “Unzivilisiertheit” der Muslime musste unter anderem die Frauenunterdrückung herhalten.[5] Nicht nur aus dem viktorianischen England sind weiße Männer zur Rettung muslimischer Frauen ausgezogen, auch der Krieg gegen Afghanistan wurde mit der Notwendigkeit zur “Befreiung” der Frauen begründet. Gemeint war und ist damit freilich nie mehr als die Ersetzung des einheimischen Patriarchats durch ein an westlichen Strukturen orientiertes, mit dem Kapitalismus kompatiblen Patriarchat: Schönheitsoperationen statt Schleier. In beiden Fällen bestimmt “die Tyrannei des männlichen Blicks”, wie Frauen aussehen.

Frauenunterdrückung: Vorwand zur Dämonisierung des Islams

Aber rassistischen Stereotypen ist mit Fakten nicht beizukommen. Dass es bei diesen Stereotypen weniger um die Frauen selbst geht als um Vorwände zur Dämonisierung des Islams, zeigt sich auch an der ausgeprägten Doppelmoral, die damit einher geht. Patriarchale Gesellschaftsstrukturen bestehen weltweit und zeigen sich in höchst unterschiedlichen Formen. Die christliche und jüdische Religion haben nicht weniger frauenfeindliche Züge als der Islam, ohne dass diese Religionen deswegen pauschal dämonisiert würden. Die linke ägyptische Feministin Nawal al-Saadawi bezeichnet den Islam sogar als die frauenfreundlichste unter den drei großen montheistischen Religionen. In Jerusalem greifen jüdische Fundamentalisten regelmäßig diejenigen Frauen körperlich an, die in ihren Augen “unzüchtig” gekleidet sind. Würde diese relativ marginale Erscheinung zum Wesen des Judentums und dieses per se zur frauenfeindlichen Religion erklärt, würde zu Recht der Vorwurf des Antisemitismus erhoben.

Wer die Macht über die Medien hat, verstärkt negative Botschaften und erzeugt so Rassismus

Mit dem Islam ist das anders. Kein Vorurteil, keine Unwahrheit, keine Übertreibung wird ausgelassen. Über den Islam und die Muslime darf alles gesagt werden, ohne dass sich Protest regte. Muslime sind von ganz oben “zum Abschuss freigegeben” – innerhalb Europas vorwiegend im übertragenen Sinn, außerhalb Europa buchstäblich.

Wenn erst die Minarette wieder brennen hat das nichts mit Islam zu tun, das ist blanker Rassismus

Monday, December 7th, 2009

Buchtitel

In dem Beitrag “Islamfeindlichkeit kommt nicht vom Rand” interviewt Birgit v. Criegern die sicher nicht als subjektiv zu brandmarkende Wissenschaftlerin Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung, Erlangen. Hier einige Auszüge:

Muslime unterdrücken Frauen, das ist die ewige und einzige Wahrheit

Bei der PR-Kampagne der SVP ging es ja gezielt um eine Vermischung der Themen Religionsausübung, also Moschee und Minarett, mit Fragen einer angeblichen Schariaeinführung und ganz wichtig “Frauenunterdrückung”. Darum schmückte ja auch eine vollverschleierte dunkle Gestalt das bekannteste Anti-Minarett-Plakat, die zudem noch mit Themen wie z.B. die Genitalverstümmelung assoziiert wurde. Das hat sich in den letzten Jahren als sehr effektives Mittel einer vermeintlich aufgeklärten Propaganda erwiesen.

Devote Putzfrauen sind ok, Stolze Akademikerinnen tabu

Es sind ja nicht die kopftuchtragenden Putzfrauen, die stören, sondern die kopftuchtragenden Akademikerinnen – und da geht es um Privilegienschutz und um sonst nichts. Die Widersprüchlichkeit der Argumentationen wird kaum bemerkt, so emotional wird die Debatte – gerade um die Frauen – geführt.

Kaufe nicht bei Muslimen

Wenn wir uns die subtileren Formen des Antisemitismus ansehen, so wie wir es in unserem Buch in Bezug auf das 19. Jahrhundert tun, dann wird überdeutlich, was sich hier für fatale Parallelen entwickeln: Damals wurde diskutiert, ob jüdische Lehrer gute Lehrer sein können, dass man die jüdischen Schriften und Predigten ins Deutsche übersetzen müsse, ob Juden überhaupt loyale Staatsbürger sein können etc. Und natürlich waren Eigenheiten wie etwa das Schächten oder Speisevorschriften gerne ein Thema der Abgrenzung und auch Diffamierung. Auch ein Vergleich mit Karikaturen aus dieser Zeit würde verdeutlichen, dass wir nicht antiislamische Karikaturen unter Meinungsfreiheit abbuchen können.


Das antiislamische Feindbild: Mehrheitlich konsensfähig

… die Bürgermeinung von “der Islamisierung” unserer Gesellschaft, wie sie Wolfgang Bosbach von der CDU eben wieder als einen Fakt hingestellt hat. Politiker und Medien kultivieren das antiislamische Feindbild und gehören damit letztlich auch in den Pakt der Rassisten.

Wir arbeiten fleissig an einer neuen Weltverschwörungstheorie

Kaum jemand merkt, dass die These von “der Islamisierung” eine Weltverschwörungstheorie vergleichbar der von einem “verschworenen Weltjudentum” ist. Das ist erschreckend – als hätten wir unsere historischen Lektionen auswendig gelernt, aber nicht verstanden.

Es ist seit Jahr und Tag gängige Praxis der sog. Eliten, dass allgemein relevante Themen auf markierte Gruppen projiziert werden. Dann kann man etwa unser Schulsystem so lassen wie es ist und muss nicht z. B. teuer die Schulklassen halbieren, sondern kann die daraus resultierenden Probleme den angeblich “Integrationsunwilligen” in die Schuhe schieben. Das widerspricht soziologischem, psychologischem und rassismuskritischem Wissen… Für den Schaden, den man selber durch falsche Maßnahmen anrichtet, kann man die Schwachen leicht verantwortlich machen. Und das wird in der Krise bald noch mehr Verlierer treffen.

Es geht gar nicht um Religion

Geht es also eher um gesellschaftliche Probleme, die mit Islam- oder Religionskritik diszipliniert werden sollen?

Ja, diese Debatten sind eigentlich anderer als religiöser Natur. Auch eine vergleichbar fundamentalistische Bibelkritik würde uns alt aussehen lassen, wenn wir das wortwörtlich nähmen. Und Antisemitismus konnte auch nicht mit Erklärungen übers Judentum behoben werden. In die Falle von damals drohen wir jedoch heute wieder zu tappen, weil wir glauben, dass es bei dem ganzen Streit um Religion geht.

PR-Arbeit für mehr Islamhass und Rassismus

Rassismus dekonstruiert man aber nicht über Erklärungen über die Betroffenen, egal ob Juden, Muslime, Schwarze, Behinderte, Frauen, Ossis. Es geht um Gruppenwahrnehmung, Gruppenbildung und Gruppeninklusion oder –exklusion und vielleicht noch folgende Identifikationsprozesse. Und das trifft gerade nur zufällig die Muslime, weil sie auf unserem Öl wohnen – um es mal etwas provokant zu sagen. Ich stütze hiermit die These von [extern] Daniele Ganser, der als Historiker und Vorsitzender der Organisation “Peak-Oil” darauf verweist, dass es nicht ganz zufällig ist, dass der Westen gerade dort Kriege führt, wo es um “Ressourcensicherung” geht. Unsere Medien und Meinungsführer sind also bestimmten Think-Tanks aufgesessen, die mit teurer PR – finanziert aus Petro-Dollars – uns den Kulturkampf als neues Opium des Volkes eingeimpft haben.